Helmut Kirchlechner ist Zeichner. Auf kleine und große weiße Büttenpapiere
zieht er Kreise, beginnend von Innen nach Außen, mit Bleistift, Farbstift,
Kugelschreiber. Je nach Druckstärke erscheinen die spiralig gezogenen
Kreise dreidimensional eingegraben oder erhaben, rau, faserig, auch farbig,
glänzend.
In der Wiederholung findet Helmut Kirchlechner seine bildnerische Ästethik
(Wahr-Nehmung).
Die Linien sind oft so fein, daß sie sich abheben und unstofflich werden,
im
Raum verschwinden, wie die sich entfernenden Klänge eines Saiteninstrumentes.
Als Betrachter sehe ich auch Gestirne, Sternenstaub und unterliege dieser Verzauberung
immer aufs Neue. In seinen Arbeiten sind Kreis und Quadrat (Format der Papiere)
Maß und bildbauend, und, raumsuggerierend. Sich loslösend vom Grund,
wenn sich
die "Leere" in den visuellen Vordergrund schiebt, das "Gebilde" sich
abhebt.
Dr. Ingeborg
Wiegand-Uhl aus: Das
Visuelle und die Imagination, Hrsg. Süddeutscher Verlag 2004
Das Faszinierende des künstlerischen Ansatzes von Helmut Kirchlechner ist
in
der Radikalität und Einfachheit des Konzeptes einerseits und der daraus
entstehenden
Konzentration und Intensität der visuellen Erscheinung andererseits
begründet. Mögen die Beschränkung auf eine Form und eine fest
umrissene Vorgehensweise
zunächst als allzu große Einengung der künstlerischen
Ausdrucksmöglichkeiten erscheinen, so offenbart sich bei näherem Hinsehen
und Einlassen ein unvermuteter Reichtum, der eine Vielfalt in Farbe, Technik
und
Materialqualität mit hoher energetischer Aufladung, meditativer Kraft und
starker
visueller Präsenz verbindet. Was die künstlerische Position von Helmut
Kirchlechner
auszeichnet, ist das Gegenteil von Beliebigkeit, nämlich
Klarheit und äußerste Reduktion im Konzeptuellen, wodurch die sinnlichen
Qualitäten der Arbeiten und ein nahezu unendliches Potential an Möglichkeiten
nicht ausgeschlossen, sondern erst ermöglicht werden. Hinzu kommt die Tatsache,
dass die Form des Kreises nicht irgendeine Form ist, sondern die einfachste und
zugleich vollkommenste Form, der höchste (Symbol-) Kraft innewohnt. Johannes
Kögler M.A., Kunsthistoriker, Friedberg,
1996–2006 Vorsitzender und künstlerischer Leiter des Kunstvereins Friedberg, seit 2009 Kurator des Kunstraums Westend in Frankfurt/M.
Es
begann mit einer alten Blechschachtel, die ich wieder
einmal öffnete.
Sie war voll abgelegter Buntstifte, Bleistiftstummel, Kugelschreiber
mit altmodischen Werbeaufdrucken, einigen Füllern und eingetrockneten
Filzstiften. Ich hatte Zeit und setzte mich hinter ein großes Blatt
Papier, um die Stifte auf Funktion und Qualität zu prüfen.
Dabei entstanden aus einem inneren Rhythmus heraus unterschiedliche Spiralen,
deren
unmittelbare visuelle Sinnlichkeit durch den sonoren Klang der Stifte
auf der Unterlage ergänzt wurde. Bei manchen Kugelschreibern musste
ich viele Runden drehen, bis die Mine wieder ansprang.
Allmählich
kam mir der Gedanke, dieses Feld zu bearbeiten und zu kultivieren.
Helmut
Kirchlechner, geboren 1965 in München, 1991-1998 Studium an der
Akademie der Bildenden Künste
in München, Meisterschüler bei Professor Weißhaar, Studiengang
"Farbliches und räumliches Gestalten, insbesondere an Kulträumen"
Die
Münchner Kunst bewegt sich, durchaus lebendig, auf beachtlich
hohem Niveau. Neben der unbestrittenen Bedeutung der institutionalisierten
Kunst-Orte (Oper, Theater, Museen) sollte die wichtige Funktion dieser
transitorischen Kunst, ihre Funktion als «kritisches Vehikel»,
daher in ihren Potentialen erkannt und entschieden gefördert werden.
Prof.
Birgit
Wiens aus: Stadt.Kunst, © 2001,
Lindinger & Schmid
Verlag, Hrsg. Heinz Schütz und Autoren

Passage Pasing, 1995-2000, © Helmut Kirchlechner
Fotos:
Michael Kayser, Ulrich Schmitt, Uwe Jonas
Kontakt:
kirchlechner@t-online.de
© 2001-2010 Helmut Kirchlechner Alle
Bilder und Texte sind geschützt.
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